Jeden Morgen machen die Tierpfleger einen Rundgang durch ihr Revier, um zu sehen ob alles in Ordnung ist. Während gewöhnlich alles ruhig verläuft, beginnt diesmal eine fürchterliche Hektik.
Bei den Siamangs (die größten Gibbons aus der Gruppe der Affen) hatte nachts eine Geburt stattgefunden. Die Mutter war sehr schwach und überlebte den Vormittag leider nicht. Natürlich waren alle sehr traurig doch jetzt galt alle Hilfe dem Nachwuchs.
Das Neugeborene war bereits ganz unterkühlt und mußte dringend gewärmt werden. Ein dickes Schafffell und ein schnell organisiertes Kuscheltier brachten Abhilfe.
Das Telefon glüht doch es lohnt sich. Die Krankenhäuser aus Varel und Oldenburg helfen mit Muttermilch. Nun muss unser Affenbaby nur lernen an der selbst gebastelten Miniflasche zu saugen. Wie es sich für einen Affen gehört, geht das dann aber ziemlich schnell.
Wie nun weiter? Normalerweise klammern sich die Kleinen von Geburt an bei der Mutter fest und werden ständig mitgeschleppt. Das Schafffell wird mit Hosenträgern zu einer Tragetasche umfunktioniert, die die Tierpflegerin von Stunde an immer umhängen hat.
Nachts schläft das kleine Kerlchen neben ihrem Bett und hat keine Hemmungen, sie alle paar Stunden zu wecken und nach Milch zu schreien.
Wie bei Baby's üblich, was oben rein kommt, muss unten auch wieder raus. Also ganz dringend, Windeln müssen her.
Doch gibt es so kleine Kinderpopos? Natürlich, die Apotheke ist hilfreich und besorgt für unser Sorgenkind Frühchenwindeln. Nachdem alle Probleme gelöst und ein zu Hause für unser Äffchen gefunden wurde, kommt ein langes Jahr in dem die Uhren für die Pflegefamilie nach Affengesetzen laufen.
Immer wieder nachts aufstehen und den kleinen Schreihals füttern ist das eine. Bald lernt Mowgli, wie er inzwischen getauft wurde, laufen und vor allem klettern. Dazu heißt es, Wohnzimmer umräumen! Wo früher Tisch und Stühle standen, zieht sich nun eine attraktive Kletterlandschaft aus Seilen durchs Wohnzimmer.
Aufregend ist Mowglis erstes Lebensjahr, doch nicht nur für ihn. Täglich lernt er mehr, ist auch schon mal damit beschäftigt, Schränke ein- oder auszuräumen, obwohl das keiner wollte.
Doch mit zunehmenden Alter kommt der Moment, wo Mowgli lernen muss, ein Affe zu sein. Bis jetzt lebte er nur unter Menschen, ging mit zum Einkaufen, saß auf Omas Geburtstagsfeier mit am Kaffeetisch und nuckelte am Daumen wie so manches Kind.
Kurz ihm war klar: Meine Brüder und Schwestern sind die Menschen. Mit Vollendung des 1. Lebensjahres heißt es nun Umziehen in den Tierpark, zurück zum richtigen Papa und der eigentlichen Oma. Allerdings ist zwischen ihm und seiner Familie ein Gitter, denn die beiden wissen natürlich nichts von dem Sprößling.
Doch so kann Mowgli durch Hören, Sehen und Riechen lernen ein richtiger Siamang zu sein.







